Center for Critical Computational Studies (Frankfurt)

Welche Perspektiven braucht der Klimajournalismus?

Ansätze zur lösungsorientierten journalistischen Berichterstattung

Gemeinsamer Workshop von ARD-Kompetenzcenter Klima, Center for Critical Computational Studies (C³S, Goethe-Universität Frankfurt) und Netzwerk Klimajournalismus Deutschland.

Datum: Freitag, 19. September 2025

Ort: Center for Critical Computational Studies (C³S)

 

Über den Workshop:

Wie spricht, wie forscht, wie berichtet man über die Klimakrise auf eine Art, die Stimmen hörbar und Perspektiven sichtbar macht, die bisher noch unberücksichtigt blieben; die die gesellschaftliche Debatte also voranbringt – und die den Forschenden und Berichtenden am besten auch noch Freude macht, weil sie inspirierend und orientierend ist? Darüber tauschen sich im Workshop Wissenschaftler*innen aus dem C³S mit Journalist*innen aus der ARD und dem Netzwerk Klimajournalismus Deutschland aus und bringen Ansätze zur lösungsorientierten journalistischen Berichterstattung und wissenschaftliche Perspektiven in den Dialog.

Die Zukunft wird, nach allem was wir wissen, stark von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz geprägt sein – und zugleich von zunehmender Klimaerhitzung und der Bedrohung der menschlichen Lebensgrundlagen. Gleichzeitig nimmt in Deutschland wie auch international die „Nachrichtenmüdigkeit“ zu – Menschen wenden sich ab von vielen journalistischen Angeboten, geben in Umfragen an, einfach keine schlechten Nachrichten mehr ertragen zu können. Dieser Trend hat sich zuletzt Jahr für Jahr verstärkt, nachzulesen etwa im jährlich erscheinenden „Reuters Digital News Report“.

Gerade in einer Zeit, in der die Klima-Perspektive, zumindest in Europa, aufgrund der empfundenen oder tatsächlichen Dauer- und Polykrise(n) an den Rand gedrängt wird, brauchen Journalist*innen einen klaren und geschärften Blick auf Herangehensweisen und Themen.

Ein vielversprechender Ansatz ist der lösungsorientierte oder „konstruktive“ Journalismus, wie er etwa vom US-amerikanischen Solutions Journalism Network oder in Deutschland vom Bonn Institute für konstruktiven Journalismus vertreten wird. Wie man in dem Rahmen wissenschaftliche Erkenntnisse in die Gesellschaft hinein kommuniziert, wie sich das ins journalistische Selbstverständnis einfügt, welche Widersprüche sich dabei möglicherweise auftun und wie sich diese Herangehensweise zum öffentlich-rechtlichen journalistischen Auftrag verhält – all diesen Fragen wollen wir in dem Workshop Raum geben.

 

Sessions und Input-Geber*innen:

Becoming Planetary: Klima- und Zukunftsnarrative von Jugendlichen im internationalen Vergleich – Prof.‘in Dr. Juliane Engel, C³S
Wie denken junge Menschen weltweit über ihre Zukunft nach? Welche Blickwinkel aus Japan, Frankreich oder Kanada haben das Potenzial, unsere zuweilen festgefahrenen Klima-Narrative in Deutschland und Europa aufzubrechen? Oder sind Jugendliche weltweit möglicherweise gerade dabei, „die Zukunft“, wie sie mal war, gedanklich aufzugeben und dabei neue Entwürfe hervorzubringen? Was heißt das für die Pädagogik, für den gesellschaftlichen Diskurs und nicht zuletzt für den Journalismus?


Ein Jahr Climate Solutions Journalism Fellowship: Meine Top-Learnings – Judith Kösters, ARD-Kompetenzcenter Klima
Seit November 2024 und noch bis Oktober 2025 läuft das „European Media Leaders Climate Solutions Journalism Fellowship“. Judith war eine der insgesamt 12 Klimajournalist*innen aus 11 europäischen Ländern, die sich über ein Jahr lang immer wieder über ihre Arbeit und über ihre Erfahrungen mit lösungsorientierten Ansätzen ausgetauscht haben. Ihre Schnell-Bilanz: Lösungsorientierter Klimajournalismus macht Klima-Geschichten interessanter UND journalistisch solider.


Was ich schon immer über Klima-Kipppunkte wissen wollte (mich aber nie zu fragen traute) – Prof. Dr. Nico Wunderling, C³S
In diesem Teil des Workshops geht es einerseits um Physik und Erdsystem-Wissenschaft – und andererseits gleichzeitig auch darum, wie wir über die physikalische Realität von drohenden und vermutlich schon erreichten Klima- und Biodiversitäts-Kipppunkten sprechen. Ist es alarmistisch und wenig hilfreich, Bedrohungs-Szenarien an die Wand zu malen – oder ist es faktisch geboten? Müssen, sollen, dürfen „wir“ eigentlich Angst haben? Hat man die als Kipppunkte-Forscher? Was genau ist nochmal die „AMOC“, wie schlimm steht es um den Amazonas, und wie weit und wie genau können die immer schnelleren und intelligenteren Computer eigentlich in die Zukunft schauen? Keine Frage ist zu groß, zu klein oder zu dumm – und wir schreiben sie heute zur Abwechslung mal anonym auf Zettelchen.


Wie geht’s (uns) besser mit dem Klima? – Friederike Engst, Klinik am Waldschlösschen, Dresden
Friederike Engst ist leitende Psychotherapeutin an der Dresdner Klinik am Waldschlösschen. Bei ihr landen viele Journalist*innen mit Burnout oder Depression. Welche Belastungsfaktoren machen uns als Berufsstand anfällig? Was hat das mit den Strukturen in den Redaktionen zu tun, was mit den Inhalten, mit denen wir uns beschäftigen, und was mit der Art, wie wir berichten? Und vor allem: Was hilft, den Spaß an der Arbeit nicht zu verlieren oder ihn sich stärker wieder zurückzuerobern?

 

In Kooperation mit:

     

Back to the event overview